Kanale grande – Fotostory

Der Blick nach unten lohnt sich in Regensburg. Hier sind sogar Kanaldeckel schön. Also nicht durch die Stadt hetzen, sondern ruhig mal genauer hinsehen.

Kanaldeckel am DomKanaldeckel am Dom © Bilddokumentation Stadt Regensburg

17. Juli 2018

Regensburg ist wirklich toll anzuschauen, aber manchmal lohnt es sich auch wegzusehen – auf den Boden zum Beispiel. Dort lassen sich interessante Dinge entdecken, die einem wohl nie auffallen würden, wenn man einfach nur durch die Stadt geht. In Regensburg sind sogar die Kanaldeckel schön – zumindest einige von ihnen. Um rund 9 000 Kanaldeckel und alles, was darunter ist, kümmert sich die Stadt Regensburg mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es gibt etwa 20 verschiedene, runde Modelle. Die meisten Kanaldeckel erfüllen einfach nur ihren Zweck: Zugang und Belüftung der unterirdischen Rohre. Aber hier und da lassen sich echte Schönheiten aufspüren. 

 

Dom

Kanaldeckel - Dombauhütte Motiv 1 Kanaldeckel - Dombauhütte Motiv 1 © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Gleich zwei Motive lassen sich hier entdecken. 2008 hat die Dombauhütte nach einer Kanalsanierung beschlossen, eigene Deckel zu kreieren. Auf eigenem Grund ist das möglich. Motiv eins zeigt Petrus als Patron des Doms, die Schlüssel der Stadt und die bayerischen Rauten, darunter abgebildet ist das Zeichen der Regensburger Dombauhütte. 

Kanaldeckel - Dombauhütte Motiv 2Kanaldeckel - Dombauhütte Motiv 2 © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Motiv zwei widmet sich den aktuellen Steinmetzen der Dombauhütte. Jeder Steinmetz hat sein ganz persönliches Zeichen, eine Art individuelle Signatur. Viele zeigen in ihrem Symbol auch einen Stuhl, das ist eine Respektbezeugung vor dem aktuellen Hüttenmeister Helmut Stuhlfelder. Den Entwurf und das Modell hat die Dombauhütte selbst gemacht, gefertigt wurden die individuellen Stücke in der Karonlinenhütte in Kallmünz.   

Stadtamhof

Kanaldeckel in StadtamhofKanaldeckel in Stadtamhof © Josef Weinfurtner/Stadt Regensburg

Dieser Kanaldeckel kann von der Geschichte der Stadt Regensburg erzählen. Früher mochten sich Stadtamhof und Regensburg nicht: Regensburg war eine stolze freie Reichsstadt, Stadtamhof bayerisch. Ende des 15. Jahrhunderts ging Regensburg jedoch bankrott und fiel an Bayern – nur für ein paar Jahre, aber das reichte, um die Abneigung zu befördern. "Über d'Bruck wird ned gheirat" – lautete jahrhundertelang eine strikte Regel.

Thurn und Taxis

Kanaldeckel Kanaldeckel im Hacker Pschorr-Biergarten © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Auch fürstliche Deckel haben wir in Regensburg entdeckt. Sie zeigen das Namenskürzel der fürstlichen Familie und der gleichnamigen Brauerei und den so genannten Fürstenhut. Zu finden ist dieser private Deckel im Biergarten der Gaststätte am Neupfarrplatz 15.  

Eine kleine Auswahl

Kanaldeckel - Münchner Modell Kanaldeckel - ReinigungsöffnungKanaldeckel - Altes Regensburger ModellKanaldeckel - Aktuelles Modell

Kuriose Funde

Unter den Kanaldeckeln befinden sich Schmutzfänger. Darin sammelt sich so Einiges: Gebisse, Schlüssel, Spritzen oder Ringe.


Kanalisation anno 1900
Karte aus dem Jahr 1897Detailplanung der Kanalisation aus dem Jahr 1897 © Stadt Regensburg

1875 gründeten sich die Stadtwerke. Sie sorgten für eine ständigen Ausbau der Versorgungsleitungen. 1889 begann die Stadt mit der Planung einer zusammenhängenden Kanalisation. Damals wurden die Kanäle aus Ziegelsteinen gemauert.


Warum sind Kanaldeckel rund?

Das hat einen ganz praktischen Grund: Damit sie nicht in den Schacht hineinfallen können. Bei rechteckigen Deckeln kann das leicht passieren.


Hallen unter der Erde
Kanal - RegenrückhaltebeckenRegenrückhaltebecken in der städtischen Kanalisation © Stadt Regensburg

Bis zu 3 000 Kubikmeter Wasser können im größten Regenrückhaltebecken der Stadt aufgestaut werden. Das sorgt für große Entlastung, wenn es stark regnet.


Schäden auf der Spur
Arbeiter der Stadt Regensburg bei Kanalarbeiten © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Mit einer fahrbaren Kamera werden die Kanäle auf Schäden untersucht. Einmal pro Jahr reinigen die städtischen Mitarbeiter die Rohre mit Hochdruck.


100 Kilometer Kanal sind sogar begehbar
Große KanalrohreGroße Kanalrohre © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Je näher man dem städtischen Klärwerk kommt, desto größer werden die Kanäle, denn sie müssen immer mehr Abwasser aufnehmen. Dort könnte man sogar mit dem Radl durchfahren. 


Weitere Informationen

Interesse am kostenlosen Newsletter?

Logo 507